Großauheim - Die Perle am Main
Für Außenstehende ist es vielleicht nicht ganz so nachvollziehbar, was die aus Mitteln des Ortsbeirates finanzierten Schilder an den Hauptzufahrtsstraßen nach Großauheim hinein da skandieren. Auch uns, die wir – gerade als „Drei Pilgermuscheln“ – doch über eine Menge Lokalpatriotismus verfügen, fällt es schwer dies nachzuvollziehen. Klar, wir kennen einige Reize und auch charmante Winkel unseres einst freien Ortes und wissen auch, dass es sich eigentlich um ein Zitat aus einem Lied der lokalen Musikgruppe BANJOORY (Reggaestyles & more) handelt: „Komm doch mal nach Auheim, die Perle am Main …“
Ja, und selbst hier an der Großauheimer Gemarkungsgrenze zu Hanau, in unmittelbarer Nähe zum Cache, an einem scheinbar idyllischen Flecken Erde, ist das mit der „Perle am Main“ so eine Sache:
Fast in Vergessenheit geraten, obwohl er einst in ganz Deutschland für Aufsehen erregte und wegen seiner Einmaligkeit auch europaweit in den Nachrichten behandelt worden sein dürfte, ist der so genannte Pintsch-Skandal. Eine durch die 1984 in Konkurs gegangene Altölraffinerie Pintsch (die sich auf dem mittlerweile brach liegenden Wiesengelände in Blickrichtung Hanauer Hafen befand) verursachte Umweltverschmutzung, deren Eindämmung seinerzeit ca. 103 Millionen D-Mark (52,7 Mio. Euro) verschlang. Diese hohen Kosten der Sanierung sind auf die Komplexität, Einzigartigkeit und das Ausmaß des Schadensfalles zurückzuführen. Die heute gängigen Sanierungsverfahren zur mikrobiologischen Bodensanierung, Bodenwäsche und In-situ-Sanierung wurden auf dem Pintsch-Gelände unter Beteiligung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie für eine großtechnische Anwendung entwickelt und optimiert.
Insgesamt waren ca. 1.260 t unterschiedlicher Kohlenwasserstoffverbindungen (Altöl, Lösungsmittel und aromatische Kohlenwasserstoffe) vorhanden. U. a. wurde seinerzeit unter dem Gelände auch eine fast flächendeckende, auf dem Grundwasser aufschwimmende 70 cm mächtige Altöllinse festgestellt. Seit 1989 verhindert eine, das gesamte Gelände umschließende so genannte Schmalwand die weitere Ausbreitung von Schadstoffen. Die ober- und unterirdischen, z. T. hochgradig mit Dioxinen und Furanen kontaminierten Anlagen der Pintsch-Oel GmbH wurden zurückgebaut, so dass heute nichts mehr davon zu sehen ist. Die Erd- und Sanierungsarbeiten erforderten auf Grund der vorhandenen, teilweise krebserzeugenden Schadstoffe erhebliche Aufwendungen zum Arbeits- und Emissionsschutz. Der Aushub des Bodens musste so z.B. deshalb innerhalb einer Einhausung mit einem ferngesteuerten Bagger durchgeführt werden.
(Quelle: Online-Artikel des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz „Sanierung des Pintsch-Öl-Geländes in Hanau“)
Wer hätte das gedacht, wenn er einfach so mal hier am Großauheimer „Grund“ spazieren gegangen wäre.
So war es uns ein Anliegen mit diesem Geocache erinnernd darauf hinzuweisen, welcher Frevel hier an der Natur verübt wurde.
Nun könnt Ihr sie suchen, die „Perle am Main“ …
Zum Cache:
Über die Größe „Mikro“, „Small“ oder wegen dem Logbuch gar „Nano“ (sprich „Sonstige“), lässt sich sicherlich streiten. Wir haben fürs Listing mit „Mikro“-Angabe mal den goldenen Mittelweg gewählt.
Zwischen dem Cache und dem im Listing angegebenen Parkplatz liegt eine schützenswerte Auenwiese, die zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde. Oder wie die Raver, denen damit hier 2014 die Location für ihr bis dato jährlich stattfindendes „Love-Family-Park“-Festival genommen wurde, verächtlich sagen: „The Holy Lawn“ – Der Heilige Rasen.
Erfreut Euch in der Blütezeit an der Artenvielfalt, die es hier zu entdecken gibt und der im krassen Widerspruch die Umweltsünden der Vergangenheit steht.
Happy Geocaching
- Die Drei Pilgermuscheln